Nordamerika: Kanada
Land und Leute
Kanadas Staatsform ist eine parlamentarische Monarchie, dessen Oberhaupt Königin Elisabeth II. ist. Vertreten wird sie durch die Generalgouverneurin Michaëlle Jean und den Premierminister Stephen Harper. Nach Russland ist Kanada das zweitgrößte Land der Erde und Nachbarland der Vereinigten Staaten und Grönland. Das Land im hohen Norden des amerikanischen Kontinents hat zwei offizielle Landessprachen: Englisch und Französisch. In Québec sprechen rund 93 Prozent der Bevölkerung Französisch, fast die Hälfte von ihnen beherrscht auch die englische Sprache. Außerhalb von Québec sprechen rund 98 Prozent der Einwohner Englisch.
Obwohl das Land so groß ist, hat es eine der geringsten Bevölkerungsdichten der Welt. Die meisten Menschen leben in großen Städten wie Toronto, Montréal, Vancouver und Ottawa, während der Norden des Landes zum Teil noch unbesiedelt ist.
Kanada ist für seine Natur und das überaus schöne Landschaftsbild bekannt. Geprägt sind diese von Wäldern mit Ahorn- oder Nadelbäumen, Gewässern, wie den Sankt Lorenz Strom, und Gebirgen, wie den Rocky Mountains. Diese Vielfalt der Flora und Fauna bietet vielen verschiedenen Arten von Tieren ein Zuhause. So sind in und an den arktischen Gewässern Wale, Walrosse, Seehunde und Eisbären daheim, während in den Tundren unter anderem Polarwölfe und -füchse leben. In den Präriegebieten Kanadas fühlen sich vor allem die vom Aussterben bedrohten Bisons wohl.
Kanada ist eines der beliebtesten Einwandererländer der Welt. Heutzutage kommen die meisten Immigranten aus Asien, vor allem aus der Volksrepublik China. In den Jahren 2001 bis 2006 betrug die Wachstumsrate der Bevölkerung ganze 5,4 Prozent – die höchste innerhalb der G8-Staaten.
Die indigene Bevölkerung Kanadas macht etwa 4 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Hierzu gehören die First Nation („Indianer“), die Inuit und die Métis. Jedes Jahr wird der 21. Juni als „National Aboriginal Day“ beziehungsweise als „Journée nationale des Autochtones“ gefeiert. Die Rechte der Indigenen werden aktiv vertreten.
Die kanadischen Nationalsportarten sind La Crosse im Sommer und Eishockey im Winter. Eishockey stellt Teil der Identität und Kultur Kanadas dar. Das kanadische Team ist Rekordweltmeister in dieser Sportart.
Wirtschaft und Arbeitsmarkt
Kanada ist eine führende Industrienation. Ihre Zentren der Wirtschaft sind Ontario und Québec. Dort werden über 70 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erwirtschaftet. Auf Grund des hohen Ölvorkommens hat sich aber auch die Provinz Alberta wirtschaftlich schnell entwickelt. Sie ist die einzige schuldenfreie Provinz des Landes. Außerdem kann sie eine Arbeitslosenquote von lediglich 3,5 Prozent aufweisen. In Alberta und British Columbia werden die meisten Arbeitskräfte benötigt. Momentan werden hier vor allem Mechaniker, Handwerker und Angestellte in der Betonverarbeitung gebraucht.
Die USA und Kanada sind wirtschaftlich sehr stark voneinander abhängig, da 86 Prozent der kanadischen Exporte in die USA gehen und auch der Import zu 61 Prozent von dort stammt.
Ein wichtiger Faktor der kanadischen Wirtschaft ist auch die Landwirtschaft, obwohl hierfür nur etwa 8 Prozent der Staatsfläche genutzt werden. Vor allem im Export von Getreide liegt Kanada ganz vorn. Insbesondere die Farmen der Prärien sind sehr modern und groß und somit erfolgreich, während in Ostkanada in den letzten Jahren viele Farmen aufgegeben werden mussten.
Eine wichtige Exportware ist mitunter Fisch, der gerade vor der Küste Neufundlands in großen Mengen gefangen wird. Doch auch die Forstwirtschaft ist aus der kanadischen Industriewelt nicht mehr wegzudenken.
Gesundheitssystem
Das staatliche Gesundheitssystem in Kanada nennt sich „Medicare“. Außer in Alberta und British Columbia, wo Krankenversicherungsbeiträge gezahlt werden müssen, wird das System über Steuern finanziert. Die Kanadier erhalten daraufhin kostenfreie Gesundheitsleistungen. Über das Medicare-System sind jedoch nur Kanadas Einwohner und Ausländer mit bewilligtem Einwandererstatus versichert. Vorübergehend in Kanada lebende Person müssen sich persönlich um ihren Versicherungsschutz kümmern.
Der Nachteil des System ist, dass meist nur Arzt- und Krankenhauskosten übernommen werden. Medikamente, Notfalldienste und zahnärztliche Behandlungen müssen hingegen meist komplett selbst bezahlt werden. Dies variiert jedoch von Provinz zu Provinz.
Für diejenigen, die vorhaben, in Kanada zu arbeiten, ist es ratsam, sich im Vorfeld darüber zu informieren, welchen Anspruch auf Versicherung sie in Kanada haben. Wer nur vorübergehend in dem Land arbeitet, sollte zusätzlich eine deutsche Auslandskrankenversicherung abschließen.
Wichtig ist zudem, dass auch ausländische Arbeitnehmer in Kanada, eine Sozialversicherungsnummer („Social Security Number“) beantragen müssen. Versicherungsbeiträge werden vom Gehalt einbehalten.
Visum
Deutsche, die zu touristischen oder geschäftlichen Zwecken nach Kanada reisen, können sich sechs Monate lang ohne Visum im Land aufhalten und benötigen lediglich einen gültigen Reisepass. Dieser muss mindestens sechs Monate über das Einreisedatum hinaus gültig sein. Für nähere Informationen steht die Internetseite des Auswärtigen Amtes zur Verfügung.
Bei der Einreise nach Kanada werden Fragen von der Einwanderungsbehörde gestellt. Außerdem muss der Reisende nachweisen können, dass er über genügend finanzielle Mittel verfügt, um seinen Aufenthalt finanzieren zu können und ein Rückflugticket aufweisen.
Junge Erwachsene, die in Kanada beispielsweise ein Praktikum absolvieren oder Work & Travel machen möchten, können am Youth Mobility Programm teilnehmen. Dieses erlaubt jungen Deutschen eine Arbeitserlaubnis für ein Jahr zu beantragen. Unter anderem sind die Voraussetzungen hierfür, dass die Teilnehmer zwischen 18 und 35 Jahren alt sind und über ausreichend finanzielle Mittel für den Aufenthalt verfügen. Nähere Informationen finden Sie auf der Internetseite der kanadischen Botschaft.
Diejenigen, die vorhaben einen Zeit lang in Kanada zu arbeiten, müssen eine zeitlich befristete Arbeitsgenehmigung, das so genannte „Temporary Work Permit“, beantragen. Voraussetzungen für die Beantragung einer solchen Arbeitserlaubnis sind die Zusage für einen Arbeitsplatz eines kanadischen Unternehmens und gute Englischkenntnisse. Außerdem muss der Arbeitgeber in Kanada belegen können, dass er im Land selbst keinen qualifizierten Arbeitnehmer für den Job finden konnte.
