„Ich wusste, ich muss unbedingt irgendwann nach Australien.“
Australien wird als Ziel für Backpacker immer beliebter. Das Programm „Work und Travel“ bietet jungen Leuten zwischen 18 und 30 Jahren die Möglichkeit, das Land zu erkunden und sich zwischendurch noch etwas Geld dazu zu verdienen. Mit Hilfe der Organisation AIFS nutzte auch Nina Bäker diese Chance und verbrachte ein halbes Jahr auf dem Fünften Kontinent. Im Gespräch mit im-ausland-arbeiten.de sprach sie über ihre Erfahrungen.
Vom September 2005 bis Ende März 2006 arbeitete und reiste Nina entlang der Ostküste Australiens. In Sydney kam sie an, flog von dort in das nördlich gelegene Cairns, von wo aus sie dann wieder in Richtung Süden reiste. Weihnachten und Sylvester verbrachte sie erneut in Sydney. Darauf folgte ein Aufenthalt in Melbourne und später nahm die 22-jährige die Great Ocean Road bis nach Adelaide. Von dort aus ging es ins Outback, wo sie zwei Nächte unter freiem Sternenhimmel schlief.
Nina legte während des siebenmonatigen Aufenthalts ihren Schwerpunkt auf das Reisen und arbeitete insgesamt nur etwa zweieinhalb Monate. Davon lebte sie sechs Wochen in Brisbane, wo sie in einem kleinen, familiären Restaurant kellnerte, das gerade erst aufgemacht hatte. „Ich als Neuling bin dadurch gleich sehr gut reingekommen, und ich wurde aufgenommen wie eines ihrer Kinder“, berichtet sie über die Besitzer des Restaurants. In Melbourne verdiente Nina sich abermals ein wenig Geld mit Gastronomiearbeit dazu.
Da die Studentin so wenig gearbeitet hat, musste sie natürlich sehr viel vorfinanzieren. Dennoch berichtet sie von Bekannten, die das Programm mit plus/minus Null Euro beendet haben, aber natürlich auch dementsprechend viel gearbeitet und weniger vom Land gesehen haben.
Als wir Nina fragen, ob sie auch unangenehme Zusammenstöße mit Spinnen und dergleichen hatte, erzählte sie: „Ich habe eine totale Spinnenphobie, ich bekomme hier schon einen Anfall, wenn ich einen Weberknecht sehe, der sich über meiner Schulter abseilt.“ Und obwohl die 22-jährige während ihres Auslandsaufenthaltes noch viel größere Spinnen gesehen hat, habe dies für sie einfach dazugehört. „Man wusste das ja im Vorfeld und deswegen war es in Ordnung.“
Auf Fraser Island, eine hauptsächlich aus Sand bestehende Insel vor der Ostküste, machten Nina und ihre Freundin eine weitere Bekanntschaft mit einem einheimischen Tier – einer Schlange. „Meine Freundin stand auf ihrem Schwanz und das auch noch in Flip Flops. Sie dachte sie stehe auf einem großen Ast. Als wir dann nach unter schauten und sahen, wie sich die Schlange unter ihrem Fuß hindurchschlängelte, wussten wir, dass wir in Australien angekommen waren.“
Der Weg ihrer Freundin und Ninas eigener trennten sich dann nach Weihnachten. „Die Interessen haben sich anders entwickelt“, erzählt sie. So hänge der Aufenthaltsort immer davon ab, wo man einen Job bekommt. Jedoch habe sie sich später wieder mit anderen Leuten zusammengetan, von denen man auf der Reise viele trifft.
Nina empfand es, insbesondere am Anfang, als sehr angenehm, mit ihrer Freundin unterwegs zu sein. So habe man sich mit einer Person austauschen können, die einen kennt und unterstützt und nicht nur oberflächliche Konversationen führen müssen, darüber wo man herkomme oder hin wolle. Jedoch war es zunächst schwer, mit mehreren Leuten einen Job zu finden. Da sie zu viert unterwegs waren, sei es kaum möglich gewesen, für alle zur selben Zeit am selben Ort eine Arbeit zu organisieren. Dies sei höchstens im Bereich „Fruit Picking“ möglich. Generell gelte bei der Jobsuche, je flexibler man ist, desto leichter findet man Arbeit.
Denn Arbeitsbereiche gibt es viele. Ein ganz großer ist das bereits erwähnte „Fruit Picking“. Hier müsse man sich lediglich informieren, wo gerade Erntezeit ist und man habe das ganze Jahr über einen Job sicher. Andere Möglichkeiten sind das Arbeiten als Kellner oder Autowäscher, aber auch Koalaärzte werden ab und an gesucht.
Gewohnt hat die ehemalige Backpackerin hauptsächlich in Hostels. Nur als sie längere Zeit in Brisbane war, mietete sie sich mit ihrer Freundin ein Apartment. Dies sei angenehmer, wenn man früh aufstehen müsse, denn „im Hostel sind die ersten losgezogen um zu feiern, wenn man schlafen gehen wollte und kamen wieder, wenn man selbst aufstehen musste.“
Die Berlinerin erzählt weiterhin, dass ihr Interesse für Australien auf der Expo in Hannover geweckt worden sei. Dort habe sie sich den australischen Pavillon angesehen und sei so begeistert gewesen, dass es sie seitdem gar nicht wieder losgelassen habe. „Ich wusste, ich muss unbedingt irgendwann nach Australien“, fügt sie hinzu.
Und enttäuscht wurde sie dort nicht im Geringsten. Am besten habe ihr die Mentalität der Australier gefallen: „Es war wahnsinn, wie locker die Menschen auf einen zugingen.“ Man habe deutlich gemerkt, dass Australien ein Auswandererland ist, denn fremd habe sich Nina dort nie gefühlt. Besonders positiv aufgefallen, ist ihr auch die „unglaubliche Hilfsbereitschaft“ der Einheimischen – „einfach das ganze Lebensgefühl.“
Von ihren Erlebnissen in Australien hat Nina viel mitgenommen. Sie selbst lernte, locker auf andere Menschen zuzugehen. Vor allem aber brachte der Aufenthalt Nina Selbstständigkeit und Selbstorganisation, da von der Arbeit über die Reiseroute bis hin zum Tagesablauf alles in Eigeninitiative geplant werden musste. „Dies hilft vor allem, wenn man noch zu Hause wohnt und es gewohnt ist, dass alles für einen gemacht wird“, erläutert die Touristikstudentin. Eines steht für den Australien-Fan definitiv fest: „Ich möchte auf jeden Fall wieder zurück.“
